David-Hansemann-Schule, Aachens Realschule im Herzen der Stadt
Unser Projekt ‑ Babybedenkzeit vom 05.12. ‑ 07.12.07
Ein Bericht der Klasse 9c
 
I.    Wie alles begann:
       

In ihrem Lehrerfach fand Frau Koch vor einigen Wochen einen Flyer der Einrichtung "Rat und Hilfe":

Babybedenkzeit

Ein Praktikum als Eltern

Nach Rücksprache mit der Sw‑Klasse 9c und mehreren Telefonaten legten sie und die Leiterin der von Rat und Hilfe Frau Harkebusch fest, dass dies Projekt vom 05.‑07.12.07 in der Einrichtung durchgeführt würde.

Nach Elternbriefen, in denen darauf hingewiesen wurde, dass das "Baby" das Familienleben beeinträchtigen könnte, einer Kaution und der Aufteilung in Aufgabengruppen, konnte es losgehen.

Natürlich hatten wir keine echten Babys, sondern Babys nachempfundene Puppen, die in Reaktionen und Bedürfnissen einem Neugeborenen entsprachen. Die in den USA hergestellten Babypuppen tragen einen Computer in sich, der Weinen, Trinken, Glucksen und Wohllaute simuliert und die Handlungen der Eltern registriert. ‑ Am Ende sollte dann alles ausgewertet und je nach Behandlung ein Zertifikat vergeben werden.

 
 

II.    Zur Einrichtung "Rat und Hilfe ":

Viele junge Menschen wollen Kinder haben. Eine Zukunft mit Kind hat viele Seiten. Eine Schwangerschaft kann Freude und Hoffnung auslösen, kann aber auch Unsicherheit und Angst zur Folge haben: Sorgen um die ungesicherte Partnerschaft und veränderte Freizeit, um Ausbildung und Beruf, um die finanzielle Situation, die Betreuung des Kindes ...

In Aachen gibt es acht "Rat und Hilfe" Beratungsstellen der Caritas. Sie unterstützen Frauen, Partner und Familien vor, während und nach der Schwangerschaft. Neben einer vertraulichen, auf Wunsch anonymen, persönlichen Beratung vermitteln und vergeben die Beraterinnen soziale und wirtschaftliche Hilfen und begleiten gegebenenfalls bis zum dritten Lebensjahr des Kindes.

Inhalte der Beratung sind Fragen zu Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt, Elternverantwortung, mögliche Behinderungen und Schwangerschaftsabbruch. Lebenssituation als allein erziehende Mutter oder allein erziehender Vater und die Untersuchung des Kindes im Mutterleib gehören auch dazu.

Aufklärung zum Thema "Sexualität" gibt Rat und Hilfe in Jugendgruppen und an Schulen. Gruppenangebote ermöglichen Kontakte und Austausch. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen helfen vor Ort.

Finanziert wird Rat und Hilfe von Spendern, Patenschaften, Kommunalmitteln (nur für Klienten aus der Stadt) und vom Bischof.

 
 
III. Die Projekttage:
 
1. Tag unseres Babyprojekts:
"Wir sind Eltern " ‑ Das Abenteuer beginnt.

Heute ist der spannende Tag, an dem wir unsere Baby´s kennenlernen! Das dachte ich, als ich aufstand. Nachdenklich und sehr aufgeregt machte ich mit meinen Freundinnen, denen es genauso ging wie mir, auf den Weg zu "Rat und Hilfe". Als wir in den Raum eintraten, lagen schon die 5 Babypuppen auf der Decke in der Mitte des Raumes. Total nervös rutschten die werdenden Eltern auf ihren Stühlen hin und her. Aber sie mussten sich wohl oder übel noch etwas gedulden, weil unsre Leiterinnen, Frau Harkebusch und Frau Frankenhäuser, uns noch so einiges über die Babys erklärten.

Wir hatten neben Fragebögen eine ganze Infomappe auf unseren Plätzen liegen, die wir neugierig durchstöberten. Als die beiden netten Damen zu Ende geredet hatten, stürzten sich die Mamis und Papis begeistert auf die "Babys" und nahmen sich eines.

Die "Eltern" mussten ihnen einen Namen geben und erhielten dann eine Geburtsurkunde. Schließlich mussten Anziehsachen ausgesucht werden, Windeln zum Wechseln und Frau Koch hatte vorher erklärt: "Bringt eine große Tüte für die Babysachen mit!" Unsere Schulrucksäcke werden schon reichen, hatten wir gedacht, aber falsch! Was ein Baby so alles braucht - unglaublich! - Die Kosten, die da auf junge Eltern zukommen sind schon erheblich.

Uns jedenfalls mussten die zwei netten Damen von Rat und Hilfe noch eine Tüte geben, damit wir alles Nötige transportieren konnten.

Nach einiger Zeit begann die Puppen plötzlich zu brüllen. Zuerst waren alle peinlich berührt, dann brach totales Chaos aus, weil die eine "Mama" füttern und die andere wickeln musste.

Aber nach einiger Zeit wich die Betretenheit der Freude an dem süßen Baby.

Dieser interessante und ereignisreiche Vormittag neigte sich nun dem Ende zu, die glücklichen Eltern drängten aus dem Raum und zerstreuten sich auf der Straße.

                                                                                                                               (Eva)
 
‑ Namengebung
‑ Sachen aussuchen
 
2. Tag unseres Babyprojekts:

" Eltern werden ist nicht schwer ‑ Eltern sein dagegen sehr" ‑

Am liebsten hätte ich das Baby abgestellt.

Pünktlich wie am Vortag trafen wir uns alle wieder vor " Rat und Hilfe ", um unseren zweiten Projekttag zu starten.

"Na, wie war die Nacht? ", war die meistgestellte Frage. Aber eigentlich brauchte man die gar nicht zu stellen, schaute man unseren "Eltern" ins Gesicht. ‑ Blass, mit tiefen Augenringen und langsamen Bewegungen vom Schlafentzug begaben sie sich mit uns in den Schulungsraum, wo bereits Frau Hakebusch und Frau und Frau Frankhäuser auf alle warteten. "Erzählt doch 'mal, wie lief´s?", begannen sie das Gespräch, wobei es viel ruhiger als am Vortrag war. "Schon im Bus, aber auch auf der Straße haben uns die Leute komisch angesehen." - "Und blöde Bemerkungen von Jugendlichen mussten wir uns in unserem überfüllten Linienbus auch anhören", wurde berichtet. Zwei "Elternpaare" hatten das Busfahren mit Baby aufgegeben und ihre eigenen Eltern zum Bringen und Holen organisiert.

Die Reaktionen der Umwelt waren ein Thema, die persönliche Stresssituation ein anderes. "Eine Nacht ohne Schlaf, immer Geschrei, ich wünschte, ich könnte es heute schon abgeben ", erklärte ein Elternpaar. ‑ So hatten sie sich die Babyzeit wohl nicht vorgestellt.

Gut, dass dann neben Kinderentwicklung im l. Jahr, Ernährungskunde und Sicherheitsmaßnahmen im Haus auch das Thema Belastung angesprochen wurde. "Meine Mutter hat sich wie eine Oma gefühlt, mein Vater wie ein Opa. Gut, dass sie mir geholfen haben", meinte eine Babymutter. ‑ Wie wichtig Hilfen sind, wurde schnell deutlich, denn überforderte Mütter und/oder Väter tun dem Kind nicht gut. "Ich hätte es am liebsten aus dem Fenster geworfen!" - "Jetzt weiß ich erst, was meine Mutter bei mir geleistet hat. Meine Hochachtung", war das Fazit einer Projektteilnehmerin. Mit guten Wünschen und aufmunternden Worten wurden alle gegen Mittag entlassen: "Die nächste Nacht wird nicht so schlimm, da braucht ihr euch keinen Stress zu machen ", meinten die Schulungsleiterinnen zum Abschluss. "Hoffentlich ", war der einhellige Wunsch unserer 10 Eltern und die, die bis dahin keine Babys, sondern andere Aufgaben bekommen hatten, wollten auf keinen Fall tauschen.

 
3. Tag unseres Babyprojekts:

Wie abgesprochen, trafen wir uns wieder pünktlich bei "Rat und Hilfe“, wo schon Frau Harkebusch und Frau Frankhäuser sowie Vertreter der Aachener Zeitung auf uns warteten.

Während der Begrüßung konnten wir an den entspannten Gesichtern der fünf "Elternpaare" erkennen, dass die zweite Nacht mit dem Baby nicht mehr so anstrengend gewesen war, wie die vorige.

Neugierig fragen wir sie nach dem zweiten Tag, aber vor allem Dingen der zweiten Nacht aus, ob sie länger schlafen konnten und ob sie das Baby abwechselnd versorgt und gewickelt haben.

"Viel besser als die erste Nacht", waren die Aussagen fast aller.

Nun erklärten Frau Harkebusch und Frau Frankhäuser uns, wie man ein Baby richtig versorgt und ernährt.

Sehr hilfsreich war es, wobei wir vieles gelernt haben, was wir vorhin nicht wussten.

Danach füllten wir einen Fragebogen aus. "Was ist mir im Leben wichtig" und stellten fest, dass die Mehrheit der Jungen viel Wert auf Geld legt, die Mädchen dagegen Familie als Wichtigstes ansehen.

Nach dem Fragebogen diskutierten wir über das Thema "Verhütung und Sexualität".

Dazu stellten einzelne Gruppen Verhütungsmitteln vor, wo viele Fragen gestellt wurden und sehr viel Interesse geweckt wurde.

Trotz des intimen Themas beteiligten sich viele Schüler und versuchten Fragen anderer Schüler zu beantworten.

Ein sehr wichtiges Thema für uns Jugendliche ab - und in unserem Alter.
Zum Schluss zeigte uns Frau Frankhäuser die Beratungsstelle.

In der Zeit wurden die "Eltern" aus ihren Rollen entlassen, die Chips kontrolliert und die "Elternschaft" in einem Zertifikat bewertet.

Die drei Tage waren wichtig und sehr hilfreich für uns und unsere Zukunft.

Wir haben viel über die Entwicklung eines Babys gelernt und haben erkannt, das ein Kind viel Liebe braucht!!!

 
 

IV. Was wir daraus gelernt haben:

 

(Meinungen und Äußerungen von den Teilnehmern)

                                                                                                                    

                                                                                              09.12.07

Gigdem und Yasemin, drei Tage und zwei Nächte mit dem Baby.

 

Als Gigdem und Yasemin das Baby bekamen, nannten sie es Can. Aber schon begann es zu weinen! Die Mädchen reagierten überrascht und wussten zunächst nicht, was sie machen sollten. Durch Anweisungen von Frau Harkebusch und Frau Frankenhäuser sammelten sie die ersten Erfahrungen mit dem Baby und stillten es mit der Flasche. - Ich habe sie dann nachmittags begleitet. - Hier meine Eindrücke:

Am Nachmittag waren sie draußen und zeigten den Familien das Baby, wobei das Baby oft weinte.

Die erste Nacht verbrachten sie bei Gigdem, wo sie oft waren , weil das Baby viel brüllte und beiden keine Ruhe ließ.

Nach dem zweiten Tag gemeinsam mit der Klasse bei "Rat und Hilfe“ fuhren sie zu Yasemin, wobei das Baby die Fahrt über lange ruhig war.

Oft wurden sie im Bus angesprochen, ob es ein echtes Baby sei und ob es nicht viel zu früh sei, Mutter zu sein.

Zuhause angekommen, wollten sich beide zum Essen hinsetzen, aber da weinte das Baby und musste gefüttert und anschließend gewickelt werden. Also wurde das Essen kalt. Danach schlief es zwei Stunden! Wunderbar!

Draußen beim Einkaufen weinte es wieder und alle Augen richteten sich auf die zwei `jungen MütterA. Wie kann man nur, mögen einige gedacht haben.

Zuhause war es bis 19 Uhr ruhig und schlief. Dann musste es wieder gefüttert und gewickelt werden.

In der zweiten Nacht war es ruhiger und wurde nur einmal wach. Endlich mehr Schlaf für die beiden! "Der zweite Tag und die zweite Nacht waren nicht so schlimm", berichteten sie mir am dritten Tag bei "Rat und Hilfe". Am Ende waren sie sichtbar traurig, dass sie Baby Can abgeben mussten.

"Ich habe es richtig lieb gewonnen", meinte Gigdem zum Schluss, "aber warten will ich auf jeden Fall noch einige Jahre." –

                                                                                                           (Bericht von Duygu)

 

powered by website baker ..::::.. haurand.com ..::::.. design by Hans-Gerd Gerhards